Netflix: Die Serie zu den Serien. Heute: Fargo.

„Fargo“ – ein Krimi in zehn hoch spannenden Folgen. „Hobbit“-Darsteller Martin Freeman, auch bekannt aus der BBC-Serie „Sherlock“, spielt den scheinbar unbeholfenen Versicherungsvertreter Lester Nyygard. In Deutschland läuft die ausgezeichnete Mini-Serie auf Netflix.

Die ersten zehn Folgen von „Fargo“ erzählen die Geschichte von Lester Nyygard, einem Versicherungsvertreter im gleichnamigen Ort. Seine Frau tyrannisiert ihn, in seinem Job ist er erfolglos und sein bummshohler alter Schulkamerad Moe Hess mobbt ihn vor seinen Söhnen. Dann begegnet er Lorne Malvo im Krankenhaus und sein Leben verändert sich in einer Nacht radikal.

Die komplette Eskalation

Billy Bob Thornton als Lorne Malvo spielt den Auftragskiller so realistisch und authentisch, dass man den Worten zu Beginn jeder Folge bedingungslos glauben kann: „Die Handlungen in dieser Serie sind wirklich passiert. Aus Achtung der Verbliebenen wurden sämtliche Namen geändert. Aus Achtung der Toten wurde alles andere genau so erzählt, wie es geschah.“

Die Serie spielt dabei schon zu Beginn mit der Lüge, der Ablenkung und dem Lenken auf eine falsche Fährte. Das sind die dramaturgischen Hauptelemente von „Fargo“.

Qualität à la Netflix

Auch wenn die beiden Lichtfiguren Martin Freeman und Billy Bob Thornton ein wenig hervorstechen – die Leistung des Ensembles ist überragend. Von Hauptdarstellerin Allison Tolman als nur scheinbar etwas langsame Deputy Molly bis zur Nebenfigur Mr. Numbers (ebenso ein Auftragskiller), gespielt durch den unfreiwillig komischen Adam Goldberg.

Der Plot der Serie basiert auf dem gleichnamigen Film der Coen-Brüder und variiert die Handlung des Streifens. Sämtliche Folgen wurden durch einen Autor geschrieben – mittlerweile eine Seltenheit bei US-Produktionen, die sonst auf Autorenteams setzen. Das tut der Serie aber nur gut, denn Screenwriter Noah Hawley hält alle Fäden zusammen und sorgt für die unglaubliche Dichte der Handlung – und der Spannung.

Angemerkt sei noch, dass die Serie durch den US-Sender FX Network (FOX Group) produziert wird. In Deutschland gibt es die Serie jedoch nur als Stream auf Netflix zu sehen.

Ein Pageturner als Krimi

Die Serie hat die gemütliche Erzählweise eines Krimis und es gelingt ihr überragend gut, die verschiedenen Erzählebenen und Perspektiven zusammen zu halten. Immer wieder springt die Handlung von einer Figur zur anderen und nur der Zuschauer hat eine grobe Vorstellung von der Gesamtheit aller Geschehnisse. Nach dem Prinzip des „Schmetterlingseffekt“ beeinflussen sich die verschiedenen Protagonisten mal punktuell, mal verzögert, mal mit brachialer Härte.

Die Serie bedient sich des Cliffhangers, setzt diese aber nicht so effekthascherisch ein wie das oft in dem Zusammenhang angeführte „The Walking Dead“. Vielmehr sind es unaufgeregte Unterbrechungen an unerwarteten Stellen, die einen zum Weiterschauen regelrecht zwingen.

Im harten Gegensatz zur fast extrem aufregungslosen Erzählweise steht die harte und explizite Brutalität in einigen Szenen. Die Menschen in „Fargo“ tun sich weh – körperlich und geistig auf skrupellose Weise. Nicht selten hat man den Gedanken: Können Leute wirklich so kalt sein und einen Mord als rein logische Herausforderung betrachten? Als Mittel zum Zweck für Geld oder ein angenehmeres Leben? Geht es am Ende um nichts anderes als Konsequenz – Du willst es, Du musst es, Du tust es?

Die bereits zitierte Einleitung vor jeder Folge, die den Zuschauer glauben machen will, dass alle Handlungen real passiert sind, brachten mich immer wieder dazu, mein eigenes Handeln und meine eigenen Grenzen zu überdenken. Auch wenn alle Geschehnisse tatsächlich frei erfunden sind, bleibt das Gefühl: Trotz aller Brutalität, Gewalt und Skrupellosigkeit hätte das meiste genau so passieren können. „Fargo“ ist eine sehr überzeugende Illusion, die Darsteller und Autor zur grausamen Perfektion getrieben haben.

Staffel 2 ist bereits bestellt – und Megastar Kirsten Dunst als eine der Hauptfiguren bestätigt.

Du willst weitere Netflix-Serientipps? Wie wäre es mit der Horrorserie „Penny Dreadful“ oder dem Politthriller „House of Cards“?

Bildquelle: „Fargo Theatre – Fargo“ by AJ LEON – Flickr: Epic Train Ride – Fargo.

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