Netflix: Die Serie zu den Serien. Heute: House of Cards.

Böse? Böse! Macht und Missbrauch im weißen Haus. Die Webserie „House of Cards“ dämonisiert die politische Kaste in den USA. Der überragende Kevin Spacey mimt dabei den fast übernatürlich skrupellosen Frank Underwood.Im zweiten Teil meiner Serie zu den Serien auf Netflix geht es um die Webserie „House of Cards“. Die ersten beiden Staffeln sind bereits verfügbar. Wer sich beeilt, kann bis zum Start der dritten Staffel am 27. Februar 2015 eine anspruchsvolle und gekonnt erzählte Serie genießen.

Frank Underwood: Ein Whip als Teufel

Kevin Spacey alias Frank Underwood wurde geschasst. Als Politprofi und Campaigner hat er den demokratischen Präsidenten ins Amt verholfen. Im Gegenzug sollte er das Amt des Außenministers erhalten. Bereits daran wird deutlich, wie die Politwelt zumindest im Netflix-Universum funktioniert: Es geht ums Mauscheln, ums Zuschieben von Posten, um Gefälligkeiten – und ums Erinnern.

Der Deal platzt, Frank wird als Whip, als Mehrheitsführer im Parlament gebraucht. Sein Stolz ist erschüttert und er schwört auf Rache – und an dieser Position gibt es genügend Ansätze dafür. Frank ist ein Mittler zwischen den Entscheidern und denen, die die Stimmen dafür liefern. Er entwickelt Gesetzesvorlagen. Mit seinem ausgeprägten taktischen Gespür zielt er dabei immer indirekt auf seine mächtigen Gegner ab.

Kevin Spacey als bitterböser Anti-Held ist schrecklich schön. Er zieht Menschen in den Abgrund und wirft sie weg, wenn sie ihm nicht mehr nützen. Und doch kann man ihn verstehen und ist nicht davor gefeit, Respekt vor ihm zu empfinden.

Ebenso herausragend spielt Robin Wright als wandelbare Miss Claire Underwood sowie Corey Stoll als manipulierbarer Abgeordneter Peter Russo. Für Medienmacher besonders interessant ist die Figur der Zoe Barnes, gespielt von der zauberhaften Kate Mara. Die ambitionierte Jungredakteurin wird durch einen quasi geschenkten Scoop über Nacht zur Enthüllungsjournalistin und zahlt dafür den Faust’schen Preis.

„Schau am Besten direkt in die Kamera“

Eine Webserie bringt einige Freiheiten mit sich, die man sich im klassischen Fernsehen vielleicht so nicht trauen würde. Frank Underwood als Anti-Held und Protagonist führt uns wie durch ein Video-Tagebuch. Er schaut in die Kamera und bewertet und kommentiert das Geschehen, gibt Einblicke in seine Gedanken und Beweggründe. Manchmal lächelt er auch einfach nur wissend und macht uns als Zuschauer zu seinen Komplizen.

Die Moral von der Geschicht‘

Wer sich für Strategie, Taktik und Manipulation interessiert, bekommt mit „House of Cards“ sicherlich ein spannendes Lehrstück angeboten. Frank Underwood kennt die Schwächen seiner Feinde, weiß, wie er sie in Zugzwang bringt und er hat Geduld. Er spielt Politik so wie andere Schach – mit Bauernopfern und Täuschungsmanövern, das Ziel stets im Blick aber nie auf der Zunge.

Doch so reizvoll sein Handeln auch sein mag, so erfolgreich er ist, so muss man als Zuschauer doch immer wieder reflektieren: Wie weit würde ich gehen? Wann überschreitet Underwood eine Grenze? Und wenn die politische Klasse in den USA oder anderswo wirklich so tickt: Wollen wir von diesen Menschen regiert werden?

House of Cards: Instabil doch hält

Die aktuell zwei Staffeln auf Netflix versprechen Unterhaltung mit Anspruch. Das politische Taktieren von Frank Underwood, die geschickt eingesetzten Elemente des Thriller-Genres und dramatische Wendungen an unerwarteten Stellen sind die großen Qualitäten der Serie. Sie ist geschickt und konsequent erzählt, hält sich nicht mit unnötigen Gefühlsduseleien auf, sondern kommt zum Punkt. Genau wie Frank Underwood hängt sie nicht an ihren Protagonisten und opfert diese ohne mit der Wimper zu zucken für die Storyline. Das „House of Cards“, das Underwood aufbaut, wird immer wieder ins Wanken gebracht – doch es hält. Die Serie ist wie Underwood selbst – hoch professionell und erschreckend gut.

Bildquelle: flickr.com.

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