Netflix: Die Serie zu den Serien. Heute: Penny Dreadful.

 

Willkommen zu Teil 1 der Serie: „Netflix-Serien für die Feiertage“. Los geht’s mit dem Horrorkracher „Penny Dreadful“ mit Eva Green und Josh Hartnett.

London im 19. Jahrhundert. Queen Victoria regiert. Séancen gehören zum guten Ton. Jack the Ripper sorgt für Schlagzeilen. In diesem oft genutzten Setting ist „Penny Dreadful“ angenehm ungewöhnlich eingebettet. Zwar bedient es sich den Stereotypien der Zeit, gibt den Mysterien von damals aber einen modernen Anstrich. Neben der geschmackvollen Gothic-Optik und der interessanten Erzählstruktur lebt die Serie aber insbesondere von seinen Schauspielern von Weltrang.

Penny Dreadful: Wunderschön und düster

Die Serie nimmt einem auf den ersten Blick durch ihre stringente Gothic-Optik gefangen. Alles ist düster, geheimnisvoll, viele dunkle Ecken und Kerzenlicht dominieren die Szenerie. Oft erinnern die Bilder an die schönsten Stellen aus dem sechsten Harry Potter-Film „Harry Potter und der Halbblut-Prinz“. Klar wird sofort: Dinge reichen weit in die Vergangenheit, Gefühle sind kalt aber mächtig, Menschen sind missbrauchbar und missbrauchend.

Symbole sind wichtig, (Aber-)Glauben hat Relevanz und steht auf Augenhöhe mit der Wissenschaft. Neben den Zeichen des Imperialismus der Zeit spielen genauso Geister, Tote, die Beginne der Fotografie, die Armut eine zentrale Rolle. Alles wirkt authentisch, aber nie aus der Zeit gefallen. Statt einem platten Kostümfest gibt man sich eben nicht mit der zu oft glorifizierenden Darstellung der Zeit zufrieden, sondern geht dorthin, wo es weh tut. Erzählt werden Geschichten von Verlust, Abenteuerlust, Erfolgssucht. Die Fallhöhen der Figuren sind hoch und scheinen oft endlos, denn der nötige Twist wird spielend leicht aus dem Zauberhut des Erzählers geholt. Vorhersehbar ist an dieser Serie kaum etwas, höchstens, dass die nächste Folge einen wieder fesseln wird.

Eher ein Krimi

„Penny Dreadful“ kommt nicht als Horrorserie à la „American Horror Story“ oder „The Walking Dead“ daher. Sie bedient sich überwiegend der Symbolik aus dem Genre und gelegentlich den Schock- und Ekel-Momenten.

Die Erzählstruktur erinnert aber eher einen guten, alten Krimi und bedient sich dabei Elementen des Thrillers. Die Protagonisten sind einem Täter auf der Spur – also heißt es Fährten lesen, Fragen stellen und interpretieren. Die gelegentlichen Rückblenden und Cliffhanger erinnern eher an einen Thriller und erweitern die lineare Erzählweise um viele persönliche Elemente rund um die Protagonisten.

Netflix und Showtime setzen auf Qualität mit Gesicht

„Penny Dreadful“ überzeugt nicht zuletzt mit seiner Darstellerriege. Wie das Team um John Logan diese Prominenz gewinnen konnte, bleibt wohl am Ende ein Geheimnis.

Eva Green, auch bekannt aus „Königreich der Himmel“ und dem besten Bond aller Zeiten „Casino Royale“ gibt der Serie Hollywood-Anspruch. Als besessene Vanessa Ives mit teuflischen Kräften ist sie keineswegs auf der bösen Seite, sondern sie kämpft gegen ihr schreckliches Wesen und versucht, einer scheinbar guten Mission zu helfen. Sie hilft Sir Malcolm Murray bei der Suche nach seiner Tochter Mina, entführt durch Vampire.

Josh Hartnett ist Amerikaner – und spielt in „Penny Dreadful“ den groben Revolverhelden mit Bravour. Nach großen US-Stoffen wie „Pearl Harbour“ wagt sich Hartnett als Ethan Chandler ins Großbritannien unter Queen Victoria. Dabei zeigt er erstaunliche viele Facetten des grobschlächtigen Burschen. Ein Typ, den man nach der ersten Staffel unbedingt weiter verfolgen möchte.

Eine ganz persönliche Vorliebe habe ich für die überwältigend schöne Billie Piper. Als Irin Brona Croft zeigt sie die schmutzige Seite Londons, die Verführung, den bezahlten Sex, den Alkohol – und die Tuberkulose. Die Liebe zwischen Brona und dem bereits skizzierten Ethan ist unter den Serien-Romanzen sicherlich eine positive Ausnahme. Auch wenn nur kurz skizziert, bietet sie mehr Ehrlichkeit als viele standardisierte TV-Produktionen.

Ebenso faszinierende Figuren sind Dorian Gray frei nach Oscar Wilde und Victor Frankenstein, nachempfunden nach Mary Shelley. Das Crossover aus den verschiedensten gar nicht mal so billigen Groschenromanen macht „Penny Dreadful“ auch für Freunde der klassischeren Literatur zu einem spannenden privaten Forschungsobjekt. Das passt: Schließlich gelingt auch der Genre-Mix bravourös.

Fazit zu „Penny Dreadful“: 8 Folgen und Dein Tag ist gerettet

Mit den ersten acht Folgen der Netflix only-Serie „Penny Dreadful“ ist das Warten auf die Geschenke am Heiligabend kurzweilig und geschmackvoll versüßt. Auch wer sonst wenig mit Vampiren und christlicher Mythologie anfangen kann, wird hier sehr gut unterhalten. Bei spannenden Figuren mit fantastischer Besetzung findet jeder seinen besonderen Liebling. Das London um die Jahrhundertwende bietet ein stimmiges Setting, das an Sherlock Holmes erinnert – ganz ähnlich ist auch die Erzählweise, nämlich mehr Krimi als Horror. Aber Achtung: einen härteren Magen braucht man an so mancher Stelle. Wer das durchsteht, wird mit einer bezaubernden Serie belohnt, für die Showtime bereits die zweite Staffel in Produktion gegeben hat. Denn: Nur in Deutschland ist „Penny Dreadful“ nur auf Netflix verfügbar.

Bildquelle: Wikimedia.

2 Gedanken zu „Netflix: Die Serie zu den Serien. Heute: Penny Dreadful.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.