Oettinger und die Netzneutralität

Herr Oettinger, wir müssen reden.

Seit sie gewählt wurden, beobachte ich Ihre Aktivitäten. Ich dachte ‚vielleicht kommt etwas produktives‘, aber jetzt musste ich erkennen, dass Sie keinerlei Ahnung haben.

Als ich ihre Antwort zur Netzneutralität hörte, war ich fassungslos und wütend.

Fassungslos, weil sie wichtige Anliegen wie Verkehrssicherheit und Gesundheit als kommerzielle Interessen darstellten und aus diesem Kontext heraus nur kommerzielle als die einzig schutzwürdigen darstellen. Öffentliche Interessen oder die Konsumenten sind ebenso schutzwürdig. Wahrscheinlich nur nicht für Sie.

Es macht mich wütend, dass sie Piraten mit Taliban vergleichen. Dieser Vorwurf hat mehrere nicht zu akzeptierende Dimensionen. Haben Piraten oder besser Mitglieder der Piratenpartei, irgendjemanden getötet?

Ich stelle die These auf, dass wenn kommerzielle Interessen die einzig schutzwürdigen sind, politische Interessen (wie ihre) ebenso eines Schutzes unwürdig sind. Ihre „Wähler“ sind dann auch nur Geldsäcke ohne Macht.

Wahrscheinlich kennen Sie Piraten nur aus „Fluch der Karibik“. Julia Reda ist für Sie sicher eine „persona non grata“. Und das als demokratisch legitimierte Abgeordnete des Europaparlaments. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich sauer bin. Ich lade Sie gern nach Chemnitz ein, damit Sie mit meinen Parteifreunden und mir sprechen können. Niemand wird sie köpfen oder kielen, um in der Gedankenwelt von Klischees zu bleiben. Versprochen.

Es gibt keine Machtverhältnisse. Jeder User ist gleichberechtigt und kann seine Meinung frei und ohne Wertung äußern und sich entwickeln. Große Konzerne werden mit Ihren Vorstellungen geschützt. Ist das sinnvoll? Konzerne können sich leisten mehr zu tun. Mehr zu leisten. Existenzgründer sind dazu nicht in der Lage. Sie sind auf die Netzneutralität angewiesen um ihre Angebote zu etablieren.

Konzerne können bereits jetzt durch SEO (Suchmaschinenoptimierung) und andere Tools Meinungen steuern. Das ist eine Stärke und zugleich eine Schwäche, da es sich um eine dezentrale Plattform handelt.

Ich fasse zusammen: Ich fordere von Ihnen Respekt, Gerechtigkeit, einen offenen Verstand und vielleicht eine Entschuldigung für Ihren unsäglichen Vergleich.

Bild by: Clemensfranz, CC-BY-SA, Wikipedia.org

Ein Gedanke zu „Oettinger und die Netzneutralität

  1. Unglaublich, dass so ein Mensch ein gewählter Interessenvertreter ist. Ein Vergleich mit den Talibanen. Dies ist wirklich peinlich. Sehr guter und vor allem informativer Artikel!

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